Was-dass-Interessen bestimmen Gute Arbeit


Im Einführungsreferat des 10. Gesundheitsgipfels sprach Dr. Klaus Peters, COGITO Institut für Autonomieforschung zum Thema „Gute Arbeit und indirekte Steuerung“, vor welchen Herausforderungen stehen Betriebliche Interessenvertretungen im Zuge des digitalen Wandels.
Er arbeitete in seinem Beitrag insbesondere heraus, auf welche aktuelle betriebliche Situation die Mechanismen der Digitalisierung treffen und wie sie wirken.

Gute Arbeit basiert traditionell auf vier Säulen: die Arbeit wird gut bezahlt, sie ist sicher, sie ist menschengerecht und sie bietet Möglichkeiten zu Aufstieg und Weiterbildung. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist aber, dass Arbeit auch Spaß machen soll.

Um dies zu erreichen, bedarf es der Unterscheidung zweier grundlegender Interessen:
1. Interessen an diesem und jenem, die Klaus Peters als was-Interessen bezeichnet
2. dem existenziellen Interesse, überhaupt tun zu können, was mich interessiert: Klaus Peters nennt diese die dass-Interessen.

Das existenzielle dass-Interesse (z.B. Rettung beim hängen am Abgrund) macht was-Interessen (z.B. lesen eines spannenden Buchs) uninteressant. Es markiert einen unglücklichen Zustand des Menschen (Not). Es ist aber auch eine andere Situation denkbar, z.B. wenn ich gutes Essen zu mir nehme, weil ich es mag und nicht, weil ich sonst verhungere. Hier wird zwar auch ein dass-Interesse befriedigt, aber eher neben der Befriedigung des was-Interesses.

Arbeit müsste so etwas wie gutes Essen sein.

Daraus folgert auf die Arbeitszeit bezogen: Wir haben nicht nur ein Interesse an der Verkürzung der Arbeitszeit, sondern auch ein Interesse am Verschwinden dieses Interesses

Definition der Guten Arbeit nach Klaus Peters:
Arbeit ist gute Arbeit, wenn der Unterschied zwischen Arbeitszeit und Freizeit für mich uninteressant wird.

In einem Unternehmen, welches die Indirekte Steuerung (Krokodile statt wie bisher Pistolen) anwendet, verkehrt sich jedoch das Beste ins Gefährlichste. Hier gilt: Nicht ich mache die Arbeit zu etwas mir eigenem, sondern die Arbeit macht mich zu ihrem Eigenen und droht mich aufzufressen. Wenn es notwendig ist, bin ich bereit, meine Gesundheit in die Bresche werfen, um den Erfolg nicht zu gefährden.

4 Typen von Krokodilen wirken typischerweise in den Unternehmen (Drohungen aber nicht Strafandrohung):

– Desinvestmentdrohung: Schließung von Abteilungen, Verlagerung
– Bieten und Unterbieten: Konkurrenzverhältnisse zwischen Abteilungen, Standorten, Teams
– Peer to peer pressure: Druck geht nicht mehr nur von Vorgesetzten aus, sondern entsteht auch innerhalb der Teams
– Zielvereinbarungen: ich werde für mich selbst zum Krokodil

Im Ergebnis kommt Klaus Peters zurück zum Dass-Interesse in der Unterscheidung zwischen Selbstständigen und Beschäftigten:

Bei Selbstständigen überwiegt das dass-Interesse in der Gründungsphase, aber der Gründer produziert Puffer. Je mehr das dass-Interesse zurücktritt desto mehr kann ich mein was-Interesse verfolgen.

Für Beschäftigte gilt:
Jedes Jahr werden die Erfolge auf null gestellt
Erfolge können sich gegen ihn wenden, sie werden zur Masseinheit für Folgejahre
Wenn Beschäftigte Erfolge auf Kosten der Gesundheit erreichen, geben sie irreführende Rückmeldung nach oben: geht doch
Sie werden künstlich in der Gründungsphase gehalten und vom dass-Interesse regiert

Eine Falle für Interessenvertretungen:
Betriebsräte, die nach den alten Regeln alles richtig machen, machen unter den neuen Bedingungen alles falsch.

Was wäre richtig: Der Kampf um die Köpfe

Der Vortrag bot einen hervorragenden Aufschlag für die folgenden Tage. Insbesondere die angerissenen Themen Beteiligung und Qualifizierung anders denken, Führung, neue Beschäftigungsformen arbeitsrechtlich neu einsortieren und Betriebsratsarbeit unter neuen Bedingungen werden wir in den kommenden Tagen intensiver bearbeiten.

 

 

 

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.