Führung bedarf Tauschgerechtigkeit

„Gesundes Führen und gesunde Organisationskultur auf dem Weg in die Arbeitswelt 4.0“ war das Thema des Beitrags von Brigitta Gruber von arbeitsleben Österreich.

Die Beschäftigten befinden sich, zuweilen in rasanter Geschwindigkeit, auf der digitalen Treppe vom Automaten über PC und digitalem Begleiter in Richtung Vernetzung/Plattform bis hin zur künstlichen Intelligenz. Gleichzeitig entstehen physich/psychische Krisen, die Sorge vor Entgrenzung, Unsicherheit durch Ich-AG und die Befürchtung zum gläsernen Menschen zu werden, der einer digitalen Führung unterliegt.

Die Folgen der digitalen Veränderung sind dauernde Unbeständigkeit, Unsicherheit, Komplexität, Mehrdeutigkeit (die sog. VUCA Welt). Es schwinden die Bewältigungsressourcen, denn es gibt weniger soziale Resonanz, obwohl hierfür viele Anstrengungen unternommen werden. Die Selbstdarstellung und eine Erwartung zur Selbstverwirklichung werden zum Alltag mit dem Verlust des Getragen-Werdens und der Zugehörigkeit.

In einem Beispiel erläuterte Brigitta Gruber die Biologie der Enttäuschung. Nach Erfolgen der Sowjetunion in der Raumfahrt wurden in den USA erhebliche Anstrengungen unternommen, sich wieder in die Position der Führungsmacht zu bringen. Die dafür eingestellten Beschäftigten engagierten sich erheblich und waren erfolgreich. Danach verschoben sich jedoch die politischen Prioritäten und die Beschäftigten wurden entlassen. Dies führte bei den Beschäftigten zu intensiver Enttäuschung bis hin zu überdurchschnittlichen plötzlichen Herztoden. Wissenschaftler schlussfolgerten, dass Anerkennungs-/Gratifikationskrisen die Befriedigung psychischer Grundbedürfnisse behindern. Die Verletzung des „Tauschgerechtigkeitsgens“ führt zu heftigen Emotionen und löst erhebliche kränkende Stressreaktionen aus.

Zu einem vergleichbaren Ergebnis kam eine Studie, die nach Personalabbau selbst bei den im Betrieb verbliebenen Beschäftigten nach 7,5 Jahren erhöhte Raten an Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Sterberaten feststellte.

Wann ist Arbeit psychisch gesundheits- bzw. bedürfnisgerecht?

Schlüssel sind:
– angemessener sozialer Erfolg
– angemessene materielle Entlohnung
– fairer Umgang im vertrauensvollen Sozialklima
– sinnerfüllte, gesicherte Zukunftsperspektive

Hierfür braucht es mehr spürbare förderliche und anerkennende Mitarbeiter_innen-Führung, z.B. durch coachendes Führungsverhalten. Durch die Digitalisierung verändert sich die Qualität der Führung. Moralische Führung gewinnt an Gewicht. Wertschätzung/Anerkennung sind notwendig. Es bedarf einer Anerkennungskultur auch mit Leuchtturmereignissen. Beschäftigte sollten als interne Berater genutzt werden. Ein Instrument kann sein eine „Beziehungspflegeeinladung“.

Letztlich gilt es, dafür zu sorgen, dass sich alle -auch die Führungskraft selbst- wohler fühlen.

 

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