Der Stressreport 2012 – Daten und Fakten zu psychischen Anforderungen, Ressourcen und Befinden bei der Arbeit

Franziska FrankeReferentin: Dr. Franziska Franke, Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Stressreport 2012

In welchem Umfang sind Beschäftigte in Deutschland derzeit psychischen Anforderungen und psychischer Belastung in der Arbeit ausgesetzt? Wie ist der Stand von Arbeitsbedingungen, die sich in Form von Ressourcen als positiv wirkende Aspekte erwiesen haben? Wie haben sich das Stresserleben sowie die auftretenden Stress- und Beanspruchungsfolgen verändert? In welchem Maße fühlt man sich den Anforderungen gewachsen? Dies alles beantwortet der Stressreport Deutschland.

Was ist eigentlich Stress?

Stress entsteht bei Vorliegen eines Ungleichgewichts zwischen Anforderungen und Mitteln zur Bewältigung. Es gibt dazu folgendes Schema (dies ist kein theoretisches Modell!):

  1. Belastungen und Anforderungen
  2. Ressourcen – Mittel zur Bewältigung
  3. Je nach Balance von Punkt 1 und 2: unmittelbare Beanspruchungsfolgen/Stress
  4. Langfristige Beanspruchungsfolgen/Stressfolgen

Wer und wie viele wurden wann und wie im Stressreport befragt?
Die Ergebnisse des Stressreports Deutschland basieren auf der sechsten Welle der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung, einer Datenerhebung, die seit 1979 regelmäßig und seit 1998/99 mit Beteiligung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin durchgeführt wird. Dazu wurden zwischen Oktober 2011 und März 2012 insgesamt 20 036 Erwerbstätige in Telefoninterviews befragt. In die Analysen einbezogen wurden die 17 562 abhängig Beschäftigten der Stichprobe.

Gefragt wurde nach Aspekten der oben genannten 4 Bereiche des „Stress-Schemas“. Zum Beispiel der Arbeitsorganisation (Belastung/Anforderung), der Handlungsspielräume und soziale Unterstützung (Ressourcen) und der Beschwerden sowie subjektiver Gesundheitszustand (Beanspruchungsfolgen) der letzten 2 Jahre.

Stand und Entwicklung

Bei Anforderungen und Ressourcen gibt es seit der letzten Befragung von 2005/2006 kaum Veränderungen. Von einer Entwarnung kann jedoch nicht gesprochen werden, denn die Anforderungen aus Arbeitsinhalt und -organisation haben sich z. T. auf hohem Niveau stabilisiert (wie Multitasking, Zeitdruck, etc.). Zeitgleich haben teilweise die subjektiv wahrgenommene Belastung sowie die Beschwerden zugenommen. Darüber hinaus gibt es erhebliche Unterschiede zwischen einzelnen Gruppen, wie die Aufschlüsselungen der Anforderungen, Ressourcen, Beanspruchung und Beanspruchungsfolgen nach Alter, Geschlecht, Branche, Beruf etc. zeigen.

Und was heißt das nun

Handlungsbedarf und Gestaltungspotenzial müssen auf Grundlage solch differenzierter Analysen abgeleitet werden. Denn nicht immer und nicht automatisch führt psychische Belastung zu hoher Beanspruchung und negativen Folgen für die Gesundheit. Vielmehr spielen die Höhe und die Summe der Anforderungen, aber auch das Ausmaß vorhandener Ressourcen und deren Zusammenwirken eine bedeutsame Rolle. Für die Prävention ist die Entwicklung solcher gruppenspezifischen Anforderungs- und Ressourcenprofile deshalb von hoher Bedeutung.
Bei einer ganzheitlichen Prävention müssen negative und positive Arbeitsmerkmale berücksichtigt, Belastungs- und Ressourcenprofile angesehen sowie physische und psychische Faktoren gleichermaßen beachten werden.

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