Das gewerkschaftliche Instrument Gute Arbeit

In einem ersten Vortrag erläuterte Dr. Rolf Schmucker die unterschiedlichen Aspekte des DGB-Index Gute Arbeit. In seinem Referat wurde deutlich, dass im Mittelpunkt des gewerkschaftlichen Instruments die Frage steht: “Wie beurteilen Beschäftigte ihre Arbeitsbedingungen”.

 

Noch Anfang des 20. Jahrhunderts lag der Schwerpunkt des Interesses überwiegend auf der Frage, ob überhaupt Arbeit für Alle zur Verfügung steht. Dies führte aber zunehmend zu schlechteren Arbeitsbedingungen. Deshalb beschäftigte die Gewerkschaften zunehmend, wie die Qualität von Arbeitsbedingungen wieder in den Vordergrund gerückt werden kann.
2006 wurde dann in einer Studie der Initiative Neue Qualität der Arbeit festgestellt, welche Bereiche für gute Arbeitsbedingungen besonders wichtig sind. Identifiziert werden konnten z.B. soziale Merkmale, Gesundheitsschutz, Handlungsspielräume und auch die Qualität der Führung. Der DGB-Index startete dann im Jahr 2007. Wichtig sollte sein, dass Gute Arbeit als nicht nur nicht schädigend, sondern auch gesundheits- und entwicklungsfördernd betrachtet wird. In besonders belastenden Berufen war die Aufgabenstellung, möglichst geringe Fehlbelastungen zu erreichen, wenn diese sich nicht ganz vermeiden lassen.
In einer jährlichen repräsentativen Telefonbefragung abhängig Beschäftigter wird der Index Gute Arbeit erhoben. Insgesamt 42 Fragen werden ausgewertet, die sich im jährlichen Report wiederfinden. Hinzu kommen Schwerpunkte z.B. zur Arbeitszeit. Zur Erläuterung wurden einige Ergebnisse aus 2013 vorgestellt, so u.a. die Bewertung des Zeitdrucks oder der Arbeitsmenge. Besonders der Sinn der Arbeit hat in der Befragung gut abgeschnitten – “ich leiste einen wichtigen Beitrag” als Stichwort für dieses Kriterium.
Schlecht abgeschnitten haben besonders die Bewertung der Arbeitsintensität und ein nicht leistungsgerechtes oder ausreichendes Einkommen. In den letzten Jahren gab es relativ stabile Zahlen innerhalb der verschiedenen Kriterien. Nach dem Vortrag konnten von Rolf  Schmucker verschiedene Fragen aus den Runde der Teilnehmenden zur Entwicklung und Einzelaspekten des Index beantwortet werden.

 

Im Anschluss erläutert Dr. Alexandra Wagner die Anwendung des DGB-Index konkret in Betrieben mithilfe externer wissenschaftlicher Unterstützung. Der Ablauf verläuft regelmäßig so, dass zunächst eine Befragung stattfindet, die folgende Auswertung wird intensiv diskutiert, daraus erforderliche Maßnahmen werden abgeleitet und umgesetzt.
Als besonderen Nutzen für den Betrieb beschrieb Alexandra Wagner die wissenschaftliche Unterstützung in einem Veränderungsprozess, durch z.B. Branchen- und Abteilungsvergleiche. Es wird gesichert, dass Rohdaten beim externen Dienstleister bleiben und auch das Maß der Auswertungen nur unter datenschutzrechtlich sicheren Bedingungen vorgenommen wird.
Die Durchführung im Betrieb obliegt einer Arbeitsgruppe, die aus beiden Betriebsparteien gebildet wird. Diese Gruppe übernimmt den Steuerungsprozess, also u.a. die umfassende Information an die Beschäftigten und die Organisation der Befragung.
Alexandra Wagner berichtet aus ihren Beratungsbetrieben, die ihr durchgehend positive Rückmeldungen gegeben haben, wenn auch nicht immer der praktische Teil im gewünschten Maß umgesetzt werden konnte.

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